Medizin

"HOMED - Arbeitsgruppe Medizin: relevantes für ÄrztInnen... Nicht der Homosexuelle ist krank, sondern die Situation in der er lebt."

Der Arzt kann, wenn auch nicht die Homosexualität, so doch den Homosexuellen behandeln. Wenn der Patient nicht mehr dem Arzt zu verhehlen braucht, dass er ein Homosexueller ist, sei es, weil er sich dessen zu schämen müssen glaubt, sei es weil er glaubt der Arzt werde seine Klagen kurz abweisen, so kann das für beide Teile nur von Vorteil sein, der Kranke wird lieber zum Arzt gehen, wenn er sich ihm voll und ganz anvertrauen kann, und der Arzt wird ihm dann auch viel besser zu raten imstande sein." (Magnus Hirschfeld, 1914)

Eine deutsche Studie, die Ende der 80er-Jahre durchgeführt wurde ergab, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient ganz entscheidend von der Kommunikation über die Homosexualität beeinflusst wird. Daher wird ein bedeutender Anteil der gesundheitlichen Versorgung schwuler Patienten in deutschen Großstädten von schwulen Ärzten übernommen. Bei uns in Österreich gehen allerdings die Uhren noch etwas anders. Aus Angst als offen schwul lebender Arzt Ablehnung zu erfahren, wird um das Thema Homosexualität von den meisten Medizinern ein weiter Bogen gemacht.

Wir glauben, dass wir selbst mit dem "Coming Out als schwuler Mediziner" einen großen Beitrag zur Veränderung der Gesellschaft beitragen können. Unserer Erfahrung nach ist es einem Großteil der heterosexuellen Patienten egal ist ob ihr Arzt schwul oder heterosexuell ist - wichtig ist ihnen fachliche Kompetenz und persönliche Betreuung. Wir möchten daher schwule Kollegen ermuntern, wie schon viele der Medizinstudenten bereits heute, zu ihrem Schwulsein zu stehen und würden uns freuen, dem einen oder anderen dabei behilflich zu sein!