Das Analkarzinom
Das Analkarzinom ist unter JUNGEN homosexuellen Männern im Zunehmen! Kein Grund zur Panik, aber ein Grund etwas zu tun!"
Homosexuelle Männer haben aufgrund der bevorzugten Sexualpraktiken ein hohes Risiko für eine anale HPV (human papilloma virus)-Infektion, die nicht nur zur Entstehung von Feigwarzen (condylomata acuminata, lat.) führen kann, sondern auch in engem, wenn nicht sogar direkten Zusammenhang mit dem Analkarzinom (=bösartige Neubildung des Analkanals) steht. Knapp 3/4 der männlichen Analkarzinompatienten sind homosexuell (!). Es scheint, daß die HPV-Infektion auch ohne Ausbildung von Feigwarzen (sichtbare Veränderungen) direkt zur bösartigen Neubildung führen kann.
Aus epidemiologischen Studien ist bekannt, daß das Analkarzinom bei etwa 0,8 PatientInnen / 100.000 Einwohner / Jahr auftritt. In der Untergruppe der homosexuellen Männern ist diese Zahl 80-fach (!) höher. Dies bedeutet für Österreich (schlecht geschätzt etwa 150.000 Schwule aller Altersgruppen), daß mit einem Neuauftreten von knapp 100 Fällen / Jahr zu rechnen ist. Durch frühzeitiges Erkennen von Vorstufen (=Präkanzerosen) im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung (=Screening), könnten diese Analkarzinomfälle verhindert werden.
Das Gebärmutterhalskarzinom ist ebenfalls durch eine HPV-Infektion verursacht und 1 von 25 Frauen (!) erkrankt im Laufe ihres Lebens daran (ACO Bulletin 1995). Mehrere Studien legen nun den Verdacht nahe, daß bei Homosexuellen die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung eines Analkarzinom größer ist als bei Frauen die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung eines Gebärmutterhalskarzinoms. Für eine sinnvolle Vorsorge (=Screening) - analog dem Krebsabstrich der Frau - wäre es nämlich notwendig, alle 2-3 Jahre eine rektale Untersuchung inklusive Probenentnahme durchzuführen. In einer rezenten Studie (Goldie SJ. Am J Med 2000) konnte nämlich gezeigt werden, daß solch ein Vorgehen volkswirtschaftlich sogar mit einer positiven Kosten / Nutzenrechnung verbunden wäre.
Damit scheint die Sinnhaftigkeit dieser Vorsorge klar belegt, jedoch stellt sich die Frage, inwieweit ein Screeningprogramm unter homosexuellen Männern auf Akzeptanz stossen würde. Nachdem die zuständigen Körperschaften (Ärzteschaft, Krankenkassen) keinerlei Interesse an Homosexuellen haben, sollten wir (die schwule community) uns selbst darum kümmern!
HOMED plant ein solches Screeningprogramm zunächst für Wien zu initiieren. Derzeit sind allerdings noch die Frage der Kostenübernahme (etwa 1500.-) bzw. der organisatorischen Durchführbarkeit in Diskussion. Damit wäre Österreich das erste Land weltweit, daß diese absolut sinnvolle Vorsorge umgesetzt hätte. (by sally)